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Einige Anmerkungen zu dem blühenden
Geschäft mit Whisky
Seit nun über 30 Jahren bin ich im
Whiskygeschäft tätig und durfte die Entwicklung
des Maltwhisky's an vorderster Front miterleben.
Da ich von Anfang an eine sehr restriktive
Einkaufspolitik verfolgt habe, habe ich nie
Produkte gekauft, welche ich vorher nicht
probieren konnte. Dadurch konnte ich bei den
Importeuren schon relativ früh eine Selektion
vornehmen.
In meiner Anfangszeit, den 90er Jahren wurden
meiner Meinung nach einfache Malt-Whiskys in
guter Qualität angeboten. Dazumal gab es vor
allem Classic Malts sowie die ersten fassstarken
Rare Malts. Bereits 10 Jahre später konnte man
bei den einfachen Abfüllern nicht mehr dieselbe
Qualität finden. Damals erhielt ich vom meinen
Importeuren Samples von Einzelfassabfüllungen,
vorwiegend von unabhängigen Abfüllern. Auf
diesem Weg fand ich etliche bemerkenswerte
Fässer, was meine Kundschaft sehr freute und
natürlich auch schätzte.
Einige Anbieter führten noch lange qualitativ
hochstehende Fässer an Lager und so konnten wir
Händler mit suchen und degustieren immer wieder
schöne Abfüllungen finden. Heutzutage ist es
vergleichsweise eine Ausnahme, solch hochwertige
Fässer zu finden.
Selbstverständlich sind immer noch sehr viele
Einzelfassabfüllungen im Handel erhältlich, die
Frage ist nur, welche? Bedauerlicherweise gibt
es mittlerweile viele unabhängige Abfüller mit
ziemlich schlechten Produkten, welche sich noch
einen Teil des Kuchens abschneiden wollen. Dabei
stellt sich natürlich die Frage, ob man mit
solchen Produkten die echten Whiskykenner noch
überzeugen kann. Ich denke, dass solche
Abfüllungen nicht sehr lange existieren werden,
es sei denn ein Händler kauft solche einfachen
Whiskys, ohne sich für dessen Qualität zu
interessieren und schmeisst diese zu
Billigstpreisen auf den Markt.
Gelegentlich habe ich auch unsere Schweizer
Whiskys probiert. Darunter befinden sich einige
interessante Produkte. Das Qualitätsdenken in
unserem Land ist bei vielen Produzenten hoch und
ich bin überzeugt, dass sie mit dem richtigen
Fass Management, mit der weltweiten Konkurrenz
problemlos mithalten können.
Die schottischen Destillerien haben sich laufend
der mittlerweile weltweiten Nachfrage angepasst.
Da die meisten zu Konzernen gehören und auch an
der Börse gehandelt werden, ist die Qualität
leider nicht mehr das höchste Ziel. Seit dem
Jahr 2000 wurden laufend neue, zum Teil sehr
grosse Destillerien gebaut und in Betrieb
genommen um dem immer grösser werdenden Trend
gerecht zu werden. Zudem wurden verschiedene
neue Gerstensorten mit mehr Zuckergehalt für die
Produktion verwendet, was nicht immer zu einer
besseren Qualität beigetragen hat.
Der neuste Trend führt nun dahin, dass viele no
age statement Whiskys angeboten werden, da der
Bestand der älteren Jahrgängen langsam zur Neige
geht. Wenn man sehr junge Whiskys mit einem
schönen Namen und einer perfekten
Designerverpackung auf den Markt bringt, steht
meiner Meinung nach der Kommerz an erster Stelle
und nicht mehr die Qualität des Produktes.
Nicht zu vergessen ist der Umstand, dass der
Markt mittlerweile viele Einsteiger ins Boot
holt, welche sich noch nicht lange mit Whisky
beschäftigen. Darunter befinden sich leider auch
solche, die sich aus rein spekulativen Gründen
und nicht des Genusses wegen für Whiskys
interessieren. Auch kommen vermehrt Grainwhiskys
sowie Pure Malt-Whiskys mit Fantasienamen auf
den Markt. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob
der Markt diesen Umstand weiterhin so aufnimmt.
Dies zeigt uns das Beispiel der Islay Whiskys,
bei welchen die Preise immer weiter in die Höhe
gehen, was dazu führt, dass das Preis-Leistung
Verhältnis in keinem Verhältnis mehr steht.
Mit zum Teil wirklich interessanten Abfüllungen
macht sich neuerdings auch Amerika bemerkbar.
Vor
allem der Rye Whisky wird wieder salonfähig.
Auch hier gibt oder besser gesagt gab es
Engpässe des edlen Destillats da vorwiegend
junge Whiskys auf dem Markt waren und so die
älteren Abfüllungen bereits stolze Preise
erzielten. Den Umstand, dass in den USA
mittlerweile Mikrodestillerien wie Pilze aus dem
Boden schiessen, sollte man ebenfalls nicht
ausser Acht lassen.
Über Japan kann und möchte ich nicht viel
schreiben. Einerseits habe ich nur wenige
Abfüllungen probiert und andererseits kann ich
die Bewertungen von Jim Murray's Bible nicht
immer unterstreichen. Schleierhaft ist mir vor
allem wie Japan mit einer, wie ich meine
mittelmässigen Abfüllung einen derartigen Run
auslösen konnte, welcher den Whiskyvorrat in
Japan derart stark schmelzen liess. Für die
Händler ein hervorragendes Geschäft.
Nun stellt sich die Frage, wie es mit den
Whiskys weitergehen wird. Eine Frage, die mich
natürlich brennend interessiert. Dabei habe ich
das Buch von Peter Hoffmann studiert und
festgestellt, dass bis zum Jahr 2020in
Schottland, Irland und England bis zu 20 neue
Destillerien die Produktion aufnehmen werden. An
dieser Stelle ein grosses Kompliment an dich,
Peter für dein gelungenes Werk
Ich denke, dass in Zukunft mit dem Whisky
dasselbe passieren wird, wie vor ca.25 Jahren
mit dem Wein. Nämlich eine starke
Überproduktion. Nicht ausser acht werden
gelassen darf die Frage, was in den nächsten
Jahren mit der Wirtschaft passiert, ob alles so
weiterläuft wie vor 20 Jahren und wer in Zukunft
all die Whiskys konsumieren wird. Ich bin
überzeugt, dass bei vielen Leuten, welche den
Whisky nur sammeln und nicht trinken, das
Platzangebot mit der Zeit rar wird. Was
geschieht, wenn der sogenannte „Spekulant“ jede
noch so neue Abfüllung als Limited Edition kauft
und wieder diese direkt auf eine
Auktionsplattform stellt?
Nun, das sind Fragen über Fragen, auf die wir
momentan noch keine Antworten bekommen. Ich
persönlich bin der Meinung, dass die Produzenten
aus den 80er Jahren etwas gelernt haben
müssten. Während dieser Zeit wurden viele
Destillerien stillgelegt und in Büros oder
Wohnungen umgewandelt, weil nebst der Rezession
einfach zu viele Whiskys den Markt überschwemmt
haben. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass
die alten Destillerien viel weniger Kosten zu
tragen haben um die bestehende Infrastruktur zu
unterhalten, da die Anlagen meist amortisiert
sind. Die „Neuen“ müssen mit Bankzinsen,
Amortisation und vielem mehr rechnen, demzufolge
entstehen auch viel höhere Kosten. Doch wie
können diese Kosten der neuen Destillerien
getilgt werden? Welche Mengen müssen produziert
und verkauft werden um einen einigermassen guten
Gewinn zu erwirtschaften? Welche Preise kann man
noch erzielen, wenn in den Discount Läden immer
mehr Abfüllungen auftauchen? Und vor allem, wo
kann man diese Produkte sonst noch anbieten? Der
Fachhändler freut sich sicher, wenn er plötzlich
zum Wasserträger der Grossen wird und nichts
mehr verdienen kann!
Soweit meine Sicht des Whisky Geschäfts. Ich bin
mir sicher, dass der Fachhandel nur mit viel
Engagement, Wissen und kompetenter Beratung die
interessierten Whiskygeniesser bei Laune halten
kann. Denn nur so bleibt der Fachhändler auch in
Zukunft interessant und kann sich
weiterhin am grossen Whiskykuchen beteiligen.
Geschrieben für den Whisky Guide im
Dezember 2016, von Markus Thöni
Hier mein neuster Nachtrag vom
25.8.2025.
Was ich Ende 2016 geschrieben habe ist
leider fast Eins zu Eins eingetroffen. mein
Shop überlebt dank meiner treuen
Stammkundschaft fast unbeschadet. Was passiert
aber mit den Destillerien und den unabhängigen
Whiskyabfüller in Schottland, die in den
letzten Jahren den Hals nicht voll bekommen
konnten?
So wie sich der jetzige Markt zeigt
werden jede Menge einfache und sicher nicht
alte oder qualitativ schöne Abfüllungen in den
Handel gebracht. Sobald ältere Malts im Handel
auftauchen sind sie meistens einfach zu teuer.
Also mein Vorschlag, abwarten und Tee
trinken, sorry ich meine natürlich schöne
Malt's geniessen!
Wünsche viel Genuss und a guati Zyt!
Markus Thöni
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